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Verstreut
Jetzt habe ich doch tatsächlich mein russisches Äquivalent gefunden:
Der zerstreute Mann aus der Schwimmbadstraße
erdichtet 1930 von dem russischen Kinderbuchdichter Samuil Marshak.

Hier eine Illustration von Aminadav Kanevsky aus dem Jahre 1970:


+ Größer



Und hier der Originaltext des Gedichtes: KLICK

Kann man kein oder zuwenig Russisch, hilft ein Online-Übersetzer, der allerdings ein Ergebnis ausspuckt, das genauso verdreht klingt, wie die Hauptfigur des Gedichtes. Dennoch kriegt man in etwa mit, worum es geht. (Und vielleicht findet sich ja jemand, das nochmal richtig schön zu übersetzen :flöt: )

Derweilen befördert auch die Filmversion aus lebendigem Papier das Verständnis:














 
 
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Je suis Nathan




Erstausgabe von Lessings "Nathan der Weise" aus dem Jahre 1779

Bild: Wikimedia: Foto H.- P. Haack












 
 
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"Different Trains"
Während der 1940er Jahre war Steve Reich öfters auf der Bahnstrecke zwischen New York und Los Angeles unterwegs, um seine getrennt lebenden Eltern zu besuchen.

Jahre später kam ihm der Gedanke, was hätte sein können, wäre er jüdisch gewesen und hätte in Europa gelebt. Vielleicht hätte er zu dieser Zeit ebenfalls in einem Zug gesessen, doch möglicherweise in einem Deportationszug in Richtung Auschwitz.

1988 schrieb er "Different Trains", ein dreisätziges Streichquartet. Das Kronos-Quartet machte die erste Einspielung.

Das minimalistische doch atmosphärisch umso dichtere "Different Trains" verwendet zahlreiche Geräuscheffekte und Sprachsamples. Letzere stammen aus Interviews, teils geführt mit Amerikanern, die sich an die 1940er erinnerten, teils mit Holocaust-Überlebenden, die über ihre Fahrt in die Vernichtungslager sprachen.

Die Sampels wurden in ein Keyboard programmiert, so dass sie bei der Aufführung des Stücks der Partitur entsprechend abgespielt werden konnten, gerade so wie ein weiteres Instrument neben den Streichern.


Teil 1 - Amerika vor dem Krieg




Teil 2 - Europa während des Krieges




Teil 3 - Nach dem Krieg





http://en.wikipedia.org/wiki/Different_Trains












 
 
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„Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin,
weder von der Macht der anderen,
noch von der eigenen Ohnmacht
sich dumm machen zu lassen“

Theodor W. Adorno












 
 
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"What's Opera Doc?"
Wo ich kürzlich doch noch das Thema Klassik im Cartoon hatte: Auch Chuck Jones hat auf diesem Felde Großes vollbracht.














 
 
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"What gives humans access to the symbolic domain of value and meaning is the fact that we die."

Régis Debray












 
 
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Blindheit
Ein alter Stein auf dem Boden.



Dieses Säulenkapitell liegt in dem von Herman Prigann ab den 1990er Jahren im Rahmen der IBA Emscherpark gestalteten "Skulpturenwald Rheinelbe" auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Rheinelbe in Gelsenkirchen Ückendorf.

Aus allerlei teils wuchtigen Resten und Relikten des Montanzeitalters im Ruhrgebiet, Beton und Stahl, von hier und dort zusammengetragen, schuf der Land-Art-Künstler Prigann sukzessive bis kurz vor seinem frühen Tod eine Reihe größerer und kleinerer Skulpturen und Raumgestaltungen, teils wild im Gelände verstreut, deren prägnanteste die auf der Haldenkuppe stehende "Himmelsleiter" ist.

Diesen Skulpturenwald erlaufe ich sicher schon seit 15 Jahren. Ich kenne das Gelände und die darin befindliche Kunst "wie meine Westentasche". Einmal habe ich auf Anfrage sogar eine Führung gegeben. Viel meines Wissens stammt dabei von Prigann selbst, der vor Jahren ebenfalls durch "seinen Wald" führte und einiges von der Enstehung der Kunstwerke erzählte.

Das obige Säulenkapitell z.B. hatte er ursprünglich richtig herum auf eine Säulenspitze gesetzt. Rund um die Säule gab es Sitzgelegenheiten. Allerdings hielt das alles nicht lange vor. Über Nacht stürzten Unbekannte die Säule um. Vandalismus (ohne dabei dem alten germanischen Volksstamm zu nahe treten zu wollen) war für Prigann, einen im öffentlichen Raum arbeitenden Künstler, immer ein Thema. Er konnte es von seiner Arbeit nicht trennen und musste bei allem, was er tat, die anonymen Zerstörwütigen im Hinterkopf behalten, ein ewiges "Katz-und-Maus-Spiel". Er nahm es sportlich und gestaltete seine Skulpturen so schwer und so unzerstörbar wie nur möglich. Diese Säule allerdings richtete er nicht wieder auf, es hätte keinen Sinn gehabt. Stattdessen ließ er das Kapitell einfach umgedreht dort liegen. So liegt es bis heute.

Das obige Foto stammt von 2001. Ich habe das Kapitell seitdem ungezählte Male gesehen, auch im Rahmen meiner Führung wies ich darauf hin.

Aber erst heute, als ich mit veicolare dort spazieren ging, machte ich zum ersten Male ein Foto aus der Froschperspektive:




Und da fiel mir plötzlich etwas auf.
Der Stein hat ein Gesicht! Da rechts. Ein bärtiger Wichtel, der wohl einen Kohlenwagen schiebt.
So sieht das von oben aus:





Und auf den anderen Seiten des Steines geht's weiter.
Noch eine Figur und etwas, das an eine Grubenlampe erinnert:






Und hier der dritte im Bunde, moosbebartet und den Stiel einer Schaufel oder etwas ähnlichem haltend:





Und noch einen vierten Wichtel hat es gegeben, der allerdings komplett abgeplatzt ist, nur zwei Beinstummel erinnern an ihn.



Solche Darstellungen romantischer "Bergmanns-Wichtel" waren übrigens im Ruhrgebiet der Gründerjahre, also um 1900 herum, gar nicht selten. Hier mal ein schönes Beispiel einer Stuck-Gestaltung über einem Ladeneingang, ebenfalls in Gelsenkirchen:




Tja, was soll man sagen. Da glaubt man etwas seit vielen Jahren bestens zu kennen, und dann bemerkt man, wie blind man all die Zeit gewesen ist. Oder um den Judas aus den kommenden Gelsenkirchener Passionsspielen zu zitieren: "Die Menschen sind immer blind zu sehen, was wirklich ist, sehen nur, was vor Augen ist."

Augen auf!